Das Magazin zur zeitgenössischen Kunst art-in.de berichtet über die Ausstellung "Ernst Marow - Mostra personale" in Florenz

 


 

  

Die -Gesellschaft Freunde der Künste- stellt in einem Künstlerportrait Leben und Werk Ernst Marows vor


 

Das Berliner Kunstmagazin ART-IN.DE berichtet über die Ausstellung der Radierungen aus Ernst Marows Zyklus "Für Odysseus" im Rahmen der 33. Leipziger Grafikbörse


 

Auf der internationalen Messe für zeitgenössische Kunst ART BAHO 2015 in Barcelona präsentiert die Art Nou Mil.lenni Galerie Bilder von Ernst Marow. Ein Bericht auf art-in.de.


 

Ausstellungsankündigung der Retrospektive "Ernst Marow - Magie der Wirklichkeit" im Berliner Kunst-Magazin art-in.de


 

 

 Der Maler Ernst Marow

 

-über den Künstler, die Kunst des Sehens

 und das Wesentliche seines Werkes-

Ernst Marow, 1934 in Königsberg / Neumark (heute Chojna / Polen) geboren,

flüchtet 1945 mit seiner Familie nach Niedersachsen

und macht 1954 in Peine Abitur.

Er studiert - zunächst in Hannover - dann bis 1959 in Berlin

an der 'Hochschule für Bildende Künste'  bei Heinrich Graf Luckner,                 Ludwig Gabriel Schrieber und Gerhard Fietz.                                                     Marow, geprägt vom Berlin der Nachkriegszeit, erhält seine künstlerische Ausbildung in einem Kreis von Lehrern, die vorwiegend Traditionen folgen und - dem Zeitgeist entsprechend - das Abstrakte lehren.

Ernst Marow lehnte diesen Zeitgeist der damals herrschenden Abstrakten ab.

Mit dem vorherrschenden Tachismus der 1950er Jahre konnte er nichts anfangen; konsequent verbrannte er daher seine gegenstandsfreien Bilder in den 1960er Jahren.

Stattdessen malt Marow gegenständlich, wendet sich der realen Wirklichkeit zu und schwimmt damit gegen den Strom.

Die Anregungen für seine Arbeiten holte Marow sich bei den 'Alten Meistern' wie Velazquez, Tizian oder Goya als auch beim großen Realisten des

20. Jahrhunderts - Max Beckmann.

Zudem zeigt sich in Marows Bildern der Einfluß der Naiven -

wie beispielsweise Henri Rousseau.  

In der Auseinandersetzung mit dem Tachismus war Ernst Marow der Ansicht, der Künstler solle sich der Wirklichkeit zuwenden, die Natur treffen und ins Unbegrenzte fortführen.

Er "befragt" daher die Dinge, die Naturwesen, sieht diese so viele Male an, bis sie von selbst beginnen, etwas auszusagen; arrangiert sie zu außergewöhnlichen, autarken Bildern, die aus Licht - und Schattenfall besondere Bedeutung erhalten,

zeigt das "nunc stans" des Vergänglichen, das Unendliche des Endlichen.

Für einen Moment steht die Zeit still.

                                                                               

"Die Natur zeigt sich vollständig auch in den kleinsten Teilen."  - 

 ein Gedanke von Marcello Malpighi, der später weiter ausgeführt wurde. 

"Die Wandlung oder Umwandlung jedes Dinges ins Andere und somit die 

  Wechselbeziehungen aller Teile." 

                                                                                                      

Ernst Marow ist dem Naturalistischen verbunden, studiert die Natur und hat den Anspruch, die Ur-Elemente und Ur-Bestandteile der Erde in ihrer ganzen Kraft und Präsenz dem Betrachter vor Augen zu führen.   

                                                                                                                     Weil aber alles vergeht und nichts je vollständig anwesend ist, ist für uns als Menschen -den mit Erinnerungen, Ängsten und Hoffnungen begabten Wesen-

der größte Teil der Wirklichkeit zu keiner Zeit mit dem bloßen Auge sichtbar; weshalb dann - wie Max Beckmann fand - die Realität das einzige Mysterium des Daseins bildet.

"Sich staunend den Dingen nähern und sie definieren, sich malend des magischen Gegenübers bemächtigen, in feierlicher Präzision die tragische Einsamkeit des Alltäglichen darstellen . . . " - so der Maler Marow.

Jedes seiner Bilder spiegelt die Sicht des Malers, die weit über das Dargestellte hinausgeht.                                                                                                                                                                                                                      

Nach vorhergegangenem Dienst als Kunsterzieher mit nebenberuflicher Künstlertätigkeit entschließt sich Marow im Jahr 1972 freischaffend zu werden -

ein Leben in der Freiheit, sich seine Aufgaben selbst stellen zu können; aber auch die große Aufgabe als Maler zu erfüllen - die unabschließbare künstlerische Aufgabe, in seinen Bildern den Weg zur Vollkommenheit zu finden, mehr ahnend als wissend; versuchend, nicht besitzend.

Aufgrund ihrer Natur sind Künstler für alles empfänglich, was die direkte Schönheit und das Wesenhafte der Wirklichkeit offenbart.

Marow - zum Individualisten geworden - ein Maler, dessen Biographie harte Einschnitte aufzeigt; Lebenserfahrungen, die sich in seiner Arbeit widerspiegeln.                                                                                                                                                                                                                                         In Ernst Marows Werk bildet die Auseinandersetzung mit der Vegetation einen besonderen Schwerpunkt.

Der Maler wendet sich hier den Erscheinungen aus seiner unmittelbaren Umgebung zu und rückt so das für unser Auge Verborgene in den Vordergrund.

Die Naturwahrnehmung steht hier an erster Stelle.                                                                                                                                                            

Nach Ralph W. Emerson:

"Wenige Erwachsene können die Natur sehen. Die meisten sehen die Sonne nicht. Zumindest ist ihr Sehen sehr oberflächlich. Die Sonne bescheint nur das Auge des Mannes, aber in das Auge des Kindes scheint sie hinein.

Derjenige ist ein Naturliebhaber, dessen innere und äußere Sicht noch wahrhaft übereinstimmen; wer sich den Geist der Kindheit bis hinein in die Jahre erhalten hat."                                                                                                                                                                                                                                    

Entdeckungen in der Natur, die sich auswachsen können . . .

Dort gibt es die hohe Wand des Pflanzenwaldes: eine strotzende, ineinander verflochtene Masse von Stämmen, Ästen, Blattwerk und Ranken die wirkt wie ein tobender Überfall geräuschlosen Lebens.

Oder es wuchern tropische Blattriesen in geheimnisvoller Stille,

die Gesten der Pflanzen dargestellt kraftvoll, in intensiver Farbigkeit.

Hier windet sich schlangenhaft die Rückenlinie eines Tigers,

dessen tägliche Mühe es zu sein scheint, die hohen Blätter vor leuchtendem Himmel zu durchdringen.

Die Augen und das Fell funkeln - eine Welle der Gefahr überrollt den Betrachter und doch scheint keine Gefahr zu drohen . . .                                                                                    

Ganz anders gestaltet, aber der realistischen Formvorstellung des Malers entsprechend: seine Landschaftsbilder, die - auf die Unmittelbarkeit der Natur reduziert und ohne Metaphorik - den Betrachter in sich und ihren Lebensraum hineinziehen, wo man zurückschaut und hinausschaut . . .

Es branden an einem kühlen Tag Nordsee oder Atlantik - Visionen, sich erweiternd um die Dimensionen des Möglichen beim Betrachter; man empfindet die stille, melancholische Stimmung in einer norddeutschen Küstenlandschaft -

andererseits stößt man auf eine Taiga-Vegetation mit glühendem Abendhimmel oder Artefakte wie landwirtschaftliche Geräte vor gelben Kornfeldern.

Auch erhebt sich über einem nächtlichen Meer ein leuchtender Vollmond -

ein Hinweis auf das Mysterium des Ewigen, nur eine Konstellation in der ewigen Wiederkunft des Gleichen in unendlicher Zeit, als unmittelbare Einheit der Naturgewalten festgehalten - Expeditionen eines Malers.                                                                                                       

 "Die Natur ist ein so riesiges und allumfassendes Wesen,

  daß wir ihr Antlitz nicht  einmal ansatzweise gesehen haben."  

  -  so  H. D. Thoreau.                                                                                                                        

Laute Expressivität meidet Marow auch in seinen Stilleben.

Frei von aller Symbolsprache hört man hier auf die leise Stimme der Dinge selbst in ihrer vollen Präsenz, die auf der Leinwand ihr zweites Leben aus Sichtbarem und Denkbarem beginnen, sie entfalten sich - handelnd oder erleidend, erlangen so ihre Macht.

Ein unendlicher Dialog zwischen den Dingen als menschenartigen Individuen.

Man begegnet hier Unerwartetem, aber Bedeutendem.

Ein geheimnisvolle Kraft und ein magischer Zauber, der uns wie in Kindertagen erfaßt und aufmerksam sein läßt, wird durch Marows

Welt-Beobachtung und Welt-Anschauung nun in seinen Bildern zum Ausdruck gebracht.

Traum und Wirklichkeit vereinen sich und verweisen auf eine eigenwillige Magie; das Geheimnis liegt nicht hinter den Dingen - es sind die Dinge selbst.

Das Geheimnis des  "Da-Seienden"  hat Ernst Marow immer wieder bewegt;

das Bestreben, dem Leben einen Sinn zu geben durch die künstlerische Gestaltung der Schönheit und der geheimnisvollen Einheit der Dinge, das schöpferische Wirken des Künstlers, in seiner Kunst die Einheit des Seins zu offenbaren.                                                                                                                                                                                                                       

"Glücklich, zu sein.   Was zu sein?    Einfach, zu sein!"   -  nach Julien Green.  

  

Die Kunst sucht den Zugang zur tiefsten Wirklichkeit eines Menschen, seinem Wesen.

Was die Kunst uns sagt, kann auf keine andere Art gesagt werden - durch das so Gesagte entsteht ein neues Wesen mit neuen Gesetzen, der Künstler stellt eine neue Wirklichkeit her.

Das Bild ist nun letztlich ein eigenständiges Wesen von innerer Logik und damit am Ende unabhängig von seinem Schöpfer.

Wie es Paul Klee empfand: "Das Bild schlägt das Auge auf!"                                                                                                                                                                                                                                   

Alle Bilder Marows sind nur ein Versuch des Künstlers, diesem Geheimnis des Seins und Daseins nahezukommen . . .                                                          

                                                                                                                                                                   

1972       hatte Ernst Marow seine erste Einzelausstellung in der

                Galerie Brusberg in Hannover 

 

1976       sendete das  ZDF  eine Reportage über den Künstler                         

               Film-Beitrag  'GEGEN  DEN  STROM'

 

                                                                                                        

1980       erhielt Marow den  "Niedersächsischen Förderpreis"  

                                                 

1981       wurde Ernst Marow für sein 'Zeichnerisches Werk' der

                "Bernhard-Sprengel-Preis"  verliehen  

         

1983       widmete das

               Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst 

               Ernst Marow den Band 19 aus der Reihe

                                      "Niedersächsische Künstler der Gegenwart"

               erschienen im Westermann Verlag, Braunschweig     


 

Im Jahr 2015 erschien im Rahmen der großen Retrospektive auf 

Schloss Cappenberg zu Selm  

die Künstler-Biographie "Ernst Marow - Magie der Wirklichkeit"

                                                                                                                                     

Werke des Künstlers befinden sich in Sammlungen des In- und Auslandes.

                              

                                                                                        Sabine Schulz